Kephas Stiftung gemeinnützige GmbH, Trägerin des katholischen Fernsehsenders K-TV
Akzeptanz statt Reichweite: Die innovative Launch-Kommunikation von Katholisch.AI
Auftraggeber:
K-TV ist der erste und reichweitenstärkste katholische Fernsehsender im deutschsprachigen Raum. Gegründet wurde er 1999 vom Schweizer Pfarrer Hans Buschor, getragen wird er von der gemeinnützigen Kephas Stiftung gGmbH im allgäuischen Opfenbach. Das Programm läuft rund um die Uhr und kostenfrei, mit täglichen Live-Gottesdiensten, Gebetsformaten, theologischen Gesprächssendungen und Dokumentationen. Empfangbar ist K-TV über Satellit, nahezu alle Kabelnetze, alle IP-TV-Anbieter sowie über Livestream, Mediathek und YouTube.
Der Sender verzichtet vollständig auf Werbung und Bezahlschranken und finanziert sich aus Spenden und dem ehrenamtlichen Engagement seiner Zuschauer. Eigentümer und CEO ist der Unternehmer und KI-Investor Prof. Patrick Gruhn. Seit Dezember 2025 betreibt K-TV zusätzlich das multimediale KI-Wissensportal Katholisch.AI.
- Branche: Medien und Unterhaltung, Teilmarkt religiöse Medien (Spartenfernsehen), seit Dezember 2025 zusätzlich mit KI-gestützter Wissensplattform.
- Unternehmenstyp: Gemeinnützige GmbH (gGmbH), rein spendenfinanziert, ohne kommerzielle Erlöse.
Ausgangssituation im Unternehmen
- Strategische Erweiterung beschlossen: Im Sommer 2025 entschied der Eigentümer, mit einer KI-gestützten Wissensplattform ein zweites Standbein neben dem Fernsehprogramm aufzubauen.
- Die grundlegende Annahme war, dass sich die Medien künftig in Richtung KI-First entwickeln werden; daher wollte der Eigentümer den Fernsehsender K-TV für diese Entwicklung frühzeitig rüsten. Künstliche Intelligenz als die neue Basistechnologie auch für Medien sollte nicht allein säkularen Anbietern überlassen werden.
- Das eigentliche Produkt war technisch weitgehend fertig, die Kommunikation lag noch bei null: Es ging um katholisch.ai, eine von K-TV initiierte, deutschsprachige, KI-gestützte Plattform, die Antworten auf Fragen zum katholischen Glauben auf Basis geprüfter und offizieller kirchlicher Quellen bereitstellte.
- aI zeichnete sich durch herausragende Datenqualität von über 40.000 kirchlichen Original-Dokumenten, mehr als 10.000 vektorisierten K-TV-Sendungen und dem eingebundenen Medienarchiv der kirchlichen Tageszeitung „Tagespost“ aus. Es gab für diese Innovation jedoch keinerlei mediale und gesellschaftliche Positionierung, keine Kernbotschaften, keinen Medienverteiler und vieles Andere mehr, was für einen Launch bei einem kommunikativ so bedeutsamen Thema, das an dem grundlegenden Purpose der gesamten Organisation rührte, definitive dazu gehört.
- Es gab bis dato keine eigene Kommunikationsstruktur im Unternehmen: K-TV ist eine gemeinnützige, spendenfinanzierte Organisation ohne eigene Presse- oder Marketingfunktion und ohne kommerziellen Umsatz, an dem sich ein Projekterfolg hätte messen lassen.
- Beträchtliches Reputationsrisiko: Ein KI-System, das Glaubensfragen beantwortet, berührt das Selbstverständnis einer Organisation, die untrennbar mit dem katholischen Glauben verbunden ist. Ein falsch gesetzter erster Aufschlag hätte das Projekt beschädigen können, eine zweite Chance hätte es kaum gegeben.
Kernaufgabenstellung und Ziele des Mandates
- Launch kommunikativ steuern: Ein wichtiger Erfolgsmaßstab war auch eine positive Haltung von Meinungsführern in der katholischen Kirche und ihrer einflussreichen Community; es ging daher primär nicht um die Zahl der Registrierungen.
- Akzeptanz statt Reichweite: ein bewusster Verzicht auf eine öffentlichkeitswirksame Breitenkampagne zugunsten einer konsequenten, strategisch geplanten Dialog-Kommunikation. Diese Dialog-Kommunikation war die vornehmste Aufgabe der K-TV-Geschäftsführung.
- Positionierung: und zwar als eine KI, die auf gängige Manipulationsmechanismen verzichtet. Die Anforderung lautete, kommunikativ deutlich das Versprechen herauszuarbeiten, dass jede Antwort auf offizielle kirchliche Quellen zurückgeführt und belegt wird. Nüchternheit und Belegbarkeit waren als Botschaft zu setzen, nicht Gefälligkeit und Bestätigung.
- Transparenz, Erklärbarkeit, Bias-Minimierung, Daten-Governance und Robustheit waren wesentliche Argumente, die als Vertrauensargument gegenüber allen Nutzern genannt werden konnten und sollten.
Maßnahmen
- Positionierung und Kernbotschaften entwickelt: klare Abgrenzung von General-Purpose-Systemen wie ChatGPT, Perplexity oder Grok. Nüchtern statt bestätigend, belegt statt behauptet, „100 Prozent römisch-katholisch“, jede Antwort mit Quellenangabe.
- Datenqualität der Plattform kommunikativ nutzbar gemacht: Dass Katholisch.AI auf lehramtlichen Originaldokumenten und dem Medienarchiv einer katholischen Zeitung aufsetzt, wurde zum zentralen Vertrauensargument gegenüber Medien und kirchlichen Gesprächspartnern. Die Entwicklung der Datenbasis lag bei K-TV.
- Fahrplan zur Zielgruppenansprache konzipiert: Im Vordergrund standen Aufklärung und Vertrauen, Demonstration und Dialog, Verankerung und Feedback.
- Sprecherarchitektur und Zitat-Freigaben entworfen: Welche Botschaften kommen von der Geschäftsführung, welche Äußerungen von externen Experten? Was darf gesagt werden, was soll gesagt werden, was darf nicht gesagt werden?
- Medienverteiler D-A-CH aufgebaut aus KI-, Tech- und katholischen Fachmedien. Pressemitteilung entworfen und durch den gesamten Abstimmungsprozess geführt.
- Embargo-Testzugänge für ausgewählte Fachjournalisten konzipiert und versandt, damit die Berichterstattung auf eigener Anschauung beruht und nicht auf Pressemitteilungen.
- Arbeitsteilung mit dem K-TV-Team konzipiert, das sich um die Ansprache kirchlicher Medien und Experten kümmerte, während die weltlichen Medien von dem externen Experten bearbeitet wurden.
Ergebnisse für das Unternehmen
- Die Launch-Kommunikation lief am 15. Dezember 2025 an, im angestrebten Zeitfenster vor Weihnachten. Das Angebot war und ist kostenfrei für alle Nutzer verfügbar unter katholisch.ai.
- Es gab null öffentliche Kontroversen, keinen grundlegenden innerkirchlichen Widerspruch. Vier Medienveröffentlichungen in ausgewählten Fach- und Kirchenmedien waren das bewusste Ergebnis einer Entscheidung gegen eine laute PR-Kampagne.
- „Katholisch.AI“ ist nun als „100 Prozent römisch-katholisches“ Angebot etabliert.
- Im Unternehmen ist eine belastbare Kommunikationsstruktur entstanden und geblieben: Positionierung, Kernbotschaften, Medienverteiler und abgestimmte Freigabeprozesse.
Herausforderungen
- Akzeptanz in der katholischen Community: Was ein Sprachmodell tut, warum Halluzinationen entstehen, was eine kuratierte Wissensbasis von einem offenen Internetkorpus unterscheidet und was Anonymisierung technisch bedeutet, musste erklärt werden, bevor über Nutzen gesprochen werden konnte. Aus dem geplanten Informationsprozess wurden maßgebliche Aufklärungsgespräche innerhalb der katholischen Community.
- Enge Rahmenbedingungen: Ein schmales Kampagnenbudget, keine bestehende Kommunikationsstruktur und über drei Länder verteilte Beteiligte (Deutschland, Schweiz, USA).
- Launchverschiebung: Der Launch wurde um einen vollen Monat nach hinten verschoben, und das wichtige Zeitfenster während der Adventstage drohte sich zu schließen. 9 Tage vor Weihnachten klappte es unter Kraftanstrengung aller Beteiligten schließlich doch noch; zuvor wurde die Akzeptanz von wichtigen katholischen Meinungsbildnern gesichert.
Über Dr. Tasso Enzweiler
Dr. Tasso Enzweiler, MBA, ist Executive Interim Manager und übersetzt zwischen Technologie, Regulierung und den Menschen, die beides mittragen müssen. Seine Mandate liegen an der Schnittstelle von AI Governance, EU AI Act und strategischer Kommunikation, in regulierten und reputationssensiblen Umfeldern von FinTech über Healthcare bis zu den Medien. Vor seiner Selbstständigkeit führte er als Co-CEO die Agenturgruppe Ketchum D-A-CH, war Managing Director bei Finsbury Glover Hering und Chefreporter der Financial Times. Seit 2014 arbeitet er als Interim Manager, seit 2019 ist er Mitglied der DDIM. Er ist promovierter Volkswirt mit MBA der WHU Koblenz und der Kellogg School of Management in Chicago.







